









Fotos: Annette Kradisch
"Faraway... so close!" - 2025
Galerie Annette Oechsner
Gustav-Adolf-Str. 33 (Ecke Leopoldstraße)
90439 Nürnberg
06.07.25 bis 14.09.25
Eröffnung: Samstag, 5. Juli 2025, 18.30 Uhr*
Es spricht: Nele Kaczmarek, Leiterin Kunstverein Nürnberg - Albrecht Dürer Gesellschaft
*parallel:
- OPEN HOUSE im Atelier- und Galeriehaus Defet mit offenen Ateliers und Galerien ab 16 Uhr
- Institut für moderne Kunst – Syowia Kyambi & Interlocutory Agency „Worlding“
(ab 20 Uhr Sommerfest im Innenhof)
Veranstaltungen in der Ausstellung:
Save the Dates:
Freitag, 11. Juli 2025, 19 Uhr
Post-Rock from Nuremberg - Duo MIIRA
Sonntag, 17. August 2025, 16 Uhr
René Radomsky liest seine Texte
Sonntag, 14. September 2025 14 - 17 Uhr
Finissage: Tattoo-Session mit René Radomsky
René Radomsky (geb. 1989 in Nürnberg) studierte an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg mit Schwerpunkt Freier und Bildender Kunst (Meisterschüler). Sein Schaffen bewegt sich zwischen autonomer Kunstproduktion und angewandter Bildpraxis und basiert auf einem erweiterten Bildbegriff, der Malerei, Zeichnung, Text und Tätowierung zusammenbringt und hinterfragt. Malereien auf Leinwand – ausgeführt mit Ölfarbe, Airbrush oder Matrizenpapier – stehen neben Zeichnungen und Texten, die als eigenständige Werke oder körperbasierte Vorlagen fungieren. Die Übergänge zwischen Werk und Träger, zwischen Atelier und Alltag, Innen und Außen werden dabei nicht geglättet, sondern als Spannungsfelder aktiviert.
Neben seinen konzeptuellen und videobasierten Arbeiten versteht Radomsky diese körpernahen, haptischen Formen als eigenständige Sprache. Er unterläuft mit der Hybridisierung tradierter Medien die gängige Grenzziehung zwischen Hochkultur und Subkultur. Seine Arbeiten verhandeln zugleich die Frage, ob Malerei weiterhin als Königsdisziplin gelten kann – oder das tätowierte Bild längst Teil eines erweiterten Kunstbegriffs ist.
Die Oechsner Galerie präsentiert René Radomsky im Rahmen einer Ausstellungsreihe mit drei Maler*innen einer jungen Künstlergeneration, für die solche Grenzverschiebungen selbstverständlicher Bestandteil ihrer Praxis sind.
Fareaway... so close
Ob auf Leinwand, auf (Stencil-)Papier, auf der Ausstellungswand oder auf der menschlichen Haut – René Radomsky befragt in seinen Arbeiten konsequent die Stabilität der Kategorien, mit denen wir Bilder und Körper, aber auch Kunst und Tätowierung als künstlerisches Handwerk und popkulturelles Phänomen zu unterscheiden versuchen. Seine Arbeitsprozesse, aber auch die spezifischen Materialien, die René Radomsky in seiner alltäglichen Arbeit als Tätowierer begleiten, fließen immer wieder in experimenteller Form in seine künstlerische Praxis ein. Gerade in Fareaway... so close, der ersten Einzelausstellung des Künstlers in der Galerie Oechsner wird dies besonders anschaulich: Zum einen finden wir Zeichnungen auf Matrizen- bzw. Stencilpapier, die der Übertragung des Motivs auf die Haut der Kund_innen dienen. Einerseits sind sie Begleitprodukte eines Prozesses, der für gewöhnlich im Verborgenen stattfindet und nur im Ergebnis sichtbar bleibt – als Tattoo auf der Haut. Andererseits sind sie Zeugnisse einer künstlerischen Praxis, die ihre Wirksamkeit weit über den Ausstellungsraum hinaus beansprucht. Werke, die sich über die Körper ihrer Träger_innen hinweg unkontrollierbar verbreiten – und Erinnerungen an Michael Smiths Arbeit Not Quite Under_Ground der Skulptur Projekte Münster 2017 wachrufen. Dort erweiterte ein installiertes Tattoo-Studio das Verständnis von Skulptur im öffentlichen Raum.
In einer weiteren Werkgruppe begegnen uns in René Radomskys Ausstellung großformatige Malereien, in denen der chemische Farbstoff Crystal Violet – jenes Pigment, mit dem normalerweise Tattoo-Motive in die Haut übertragen werden – auf der Leinwand erscheint. Diese für René Radomsky stilprägenden violetten Malereien hat er erstmals in aufwendigen Verfahren mit Chlorbleiche und Natriumthiosulfat traktiert, sodass die Farbe in einem zweiten Schritt teilweise wieder entzogen wurde. Während das Tätowieren auf der Haut für gewöhnlich eine endgültige, irreversible Setzung bedeutet, eröffnet die Malerei Möglichkeiten zur Korrektur, Revision und zum wiederholten Annähern – bis hin zu wortwörtlichen Überschreibungen. Und um Momente der Annäherung, das Verlangen nach Nähe, Geborgenheit, aber ebenso um Überforderung und Rückzug, drehen sich die Arbeiten auch inhaltlich. Radomsky zeigt sich berührende und zugleich abweisende Hände, ein leeres Stuhlpaar, aufmerksame Augen. An anderer Stelle zoomt er in die Mikroebene hinein, wo er Synapsen skizziert, die dieses Gefühlschaos mitunter verantworten. Dabei ist und bleibt der Körper in Radomskys Arbeit Dreh- und Angelpunkt einer Bildproduktion und Präsentation. Gesehene, imaginierte und auf dem Körper oder auf den Körpern der Besucher_innen aufgetragene Bilder verbinden und überlagern sich in Fareaway... so close immer wieder neu.